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Zwei Baguettes und ein Zimmer bitte | 26-06-2015

An der Bäckereitheke einzuchecken ist eine ganz neue Erfahrung. Nebenan bezahlt jemand eine gefüllte Focaccia und sucht sich damit an den Holztischen der Cafeteria einen Platz. Von der Kundenschlange fliegen Gesprächsfetzen herüber: "Wer ist vor mir dran?" – "Fünf Baguettes Baluard, such mir bitte helle!" Den ganzen Raum füllt fantastischer Duft. Nur im Holzofen gebackenes Brot verströmt diesen Geruch, sagen Kenner. Tatsächlich wird hier im Holzofen gebacken, das kann man schon von der Straße aus sehen: Neben dem Eingang gibt ein großes Fenster den Blick frei auf Ofen und Brennholz, Mehlsäcke und Teigwannen, hantierende Bäcker; man sieht auf Tüchern arrangierte Teigstäbe, die später zu Baguettes gebacken werden, und Körbe voller runder Laibe, die kühlen, bevor sie irgendwo in dem langen, prachtvollen Tableau hinter der Theke landen. Noch während ich mit halbem Ohr der Rezeptionistin zuhöre, lasse ich die Augen darüberwandern, überlegend, was ich gleich bestelle: ein Aprikosentörtchen? Eine Schokoladenmadeleine? Dann kommt aus einer Tür ein junger Bäcker mit einem Brett voller frisch gebackener Croissants auf der Schulter, umschifft elegant im Weg stehende Koffer, und schon bin ich mir sicher: Die Bäckerei im Hotelfoyer ist eine großartige Idee. Obwohl man beim Wort "Themenhotel" natürlich erschrickt. Aber so nennt sich eben, was die kleine spanische Budgethotelkette Praktik im letzten Jahr gleich zweimal in Barcelona neu aufgemacht hat: Im vergangenen Herbst eröffnete sie als neuestes (und fünftes) Haus das Praktik Vinoteca, dem Wein gewidmet, ein paar Monate zuvor das Praktik Bakery. Das entstand in Kooperation mit der Bäckerei Baluard im Carrer de Provença, einen Steinwurf von Gaudís berühmter Pedrera entfernt, und erfreute von Anfang an auch viele Barceloner, denn Baluards stadtweit gerühmtes Brot gab es bis dahin nur im Viertel Barceloneta zu kaufen. Die zentralere Filiale im Eixample war deshalb hochwillkommen. Und für das Hotel scheint die Bäckerei mit der angeschlossenen Café-Lounge so etwas wie ein lebendiges, pulsierendes Herz zu sein. "Mit Brot trocknen alle Tränen schnell", "Regen im Mai, Brot für das ganze Jahr": Wenn sich auf den Etagen die Aufzugtüren öffnen, liest man derlei Redensarten an der Flurwand, hingepinselt in fröhlichem Sonnenblumengelb – das ist, neben Kornblumenblau, die zweite Kennfarbe von Baluard, beide setzen im Haus fröhliche Akzente. Der Schlafbereich ist ein lichtes Quadrat Der Schlafbereich ist ein lichtes Quadrat | © Meritxell Arjalaguer Im Zimmer wiederholt sich das unbekümmerte Nebeneinander des Foyers: Kaum hat man es betreten, steht man mitten im Bad, an Kleiderstange und Regal schließt direkt das Waschbecken an, unter dem sich wiederum das Schließfach versteckt. Der Schlafbereich ist ein lichtes Quadrat mit dunklem Holzboden und bodentiefem Fenster, dem ein paar Details – weiße Bretterverkleidung hinter dem Kopfende, schlichte, hölzerne Nachttische – eine nostalgische Note verleihen. Kleine, glänzend weiße Kacheln bedecken einen Teil der Wand, ein Zitat aus der Bäckerei. Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 17 vom 23.4.2015. Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 17 vom 23.4.2015. | Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben. Dort lassen schwarze Deckenstreben an eine alte Brotfabrik denken – und altmodisch ist auch die Anrichte für das Frühstücksbuffet im Café. Ein Teil der Tische wird hier jeden Morgen für Hotelgäste reserviert. Das ist nötig, denn das Café ist sehr gut besucht. Die Atmosphäre prägen eher Leute auf dem Weg zur Arbeit, die beim Frühstück einen schnellen Blick in die Zeitung werfen, als die Touristen. Und so sitzt man glücklich in einer Klangwolke aus Kaffeemaschinenzischen, Tassenklappern, den Stimmen vom Bäckereitresen und Musik, kaut das zu Recht gerühmte Brot von Baluard und fragt sich: Warum gibt es das nicht öfter? Auf die natürlichste Weise ist hier das Problem gelöst, dass Hotelfrühstücksräume in der Regel sterile, beklemmende Orte sind, die man lieber umgeht, wenn sich im Umkreis von einem Kilometer auch nur ein akzeptables Café findet (was in südlichen Ländern bedeutet: immer).


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